Dienstag, August 30, 2005

Freies-Wort Online: Verdächtige CDs bitte gleich abliefern

Die Stadt Pößneck bangt der möglichen Genehmigung für eine Neonazi-Disko entgegen „Von denen nehm' ich noch fünfzehn.“ Ein Mann in dunkler Lederjacke hantiert mit NPD-Plakataufstellern, ein anderer wühlt in Kisten. Es ist ein seltener Blick ins Innere des Pößnecker Schützenhauses, den das offene Kellertor dieser Tage zulässt. Auch der Herr mit Zeitung und Plastiktüte schaut beiläufig interessiert, genauso, wie er fünf Minuten vorher schaute – im Park, auf der anderen Seite des ausgedehnten Gebäudekomplexes. (...) Inzwischen gehört das Schützenhaus immer noch jener „Stiftung für Fertilisation Ltd.“ in London, die sich längst als Tarnfirma des einschlägig berüchtigten Hamburger Rechtsanwalts Jürgen Rieger erwiesen hat. Rieger, Chef mehrerer rassistischer Vereine und Sachwalter eines ganzen Imperiums von Immobilien, die zumindest in der Vergangenheit als bundesweite Schulungszentren der rechten Szene bekannt waren, besitzt in Dörverden bei Bremen auch den „Heisenhof“, eine ehemalige Bundeswehr-Verwaltung, die alsbald zum Tummelplatz für NPD- und sonstige Kader wurde, indes aber mit dem ziemlich rabiaten Widerstand der ganzen Region inklusive CDU-Bürgermeister zu kämpfen hat und auch schon juristische Niederlagen einstecken musste. (...) Pößnecks Bürgermeister Michael Roolant (CDU) hatte dafür „sehr intensive und hilfreiche“ Gespräche mit seinem Amtskollegen aus dem sächsischen Mücka, und das nicht ohne Grund: Die Betreiber der dortigen Neonazi-Disko „Wodan“, denen in Sachsen gekündigt worden war, sind inzwischen nach Pößneck gezogen und haben zwei Säle im Schützenhaus gepachtet. Ihr Antrag auf Betrieb einer Gaststätte liegt seit Ende Mai bei der Stadtverwaltung und muss in den nächsten Tagen, sollte es keine zwingenden Versagungsgründe geben, genehmigt werden. Ein Begriff, den Roolant gern vermeiden möchte: „Wir haben eine rechtliche Entscheidung zu treffen.“ Die freilich sofort politisch interpretiert werden wird, zumal im Spannungsfeld zwischen einem SPD-Landrat und CDU-Bürgermeister, die sich auch persönlich in herzlicher Abneigung verbunden sind. So nimmt es kaum wunder, dass aus dem Landratsamt gestreut wird, der Skin-Tanztempel sei baurechtlich eine Gefahr für Leib und Leben, während Roolant aus vielerlei Gründen „leider“ zum Ausgang des Prüfverfahrens nichts sagen kann. Die Polizeidirektion Saalfeld jedenfalls geht laut Pressesprecher Eddy Krannich vom „schlimmsten Fall“ aus, dass „Wodan II“ demnächst die Pforten im Schützenhaus öffnet. Den gerüchteweise kursierenden Eröffnungstermin 17. September kann Krannich jedoch nicht bestätigen.

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