Freitag, Dezember 02, 2005

Frankfurter Rundschau online: Verwirrspiele mit der Wahrheit

Weiß man's? Und wenn ja, kann man es wirklich beweisen? Hat Hitler davon gewusst? Und waren die Amis wirklich auf dem Mond? Irgendwann im Laufe seiner Karriere muss David Irving über den vielen Belegen und Nachweisen, wie sie nun mal zum Geschäft des Historikers gehören, den natürlichen Kompass für die Wahrheit verloren haben. Seither spielt er damit. Ist der Tisch wirklich ein Tisch, auch wenn ich die Augen zumache? Wenn Hitler gar nicht auf der Wannsee-Konferenz gewesen ist, warum muss er dann überhaupt von der Vernichtung der Juden gewusst haben? Jetzt sitzt Irving als Holocaust-Leugner in Wien im Gefängnis und spielt weiter - und mit ihm spielt bald ein ganzes Land. Hat er wirklich den Holocaust geleugnet? Was ist Leugnen? Was ist, wenn es ihm heute leidtut? Mehr als mit seinen unsinnigen Thesen über nachträgliche eingebaute Gaskammern im Vernichtungslager Auschwitz verunsichert Irving gegenwärtig mit seinen Verwirrspielen. Nichts scheint klar in seinem Fall, weder der Vorwurf noch die Fakten - und wenn es so weitergeht, wird er irgendwann freigelassen, und zurück bleibt eine vollends verwirrte Öffentlichkeit. Die Nachrichten über seinen Fall scheint Irving selbst in der Hand zu haben. Via Internet informierte der Hitler-Biograf die Öffentlichkeit davon, dass er in Österreich verhaftet worden sei. Irvings Mitteilung fiel knapp aus, legte aber zwei interessante Fährten. Er sei von "mutigen Studenten in Wien" eingeladen worden, Und: "Mr. Irving", heißt es auf der Website weiter, "hatte auf dem Weg nach Österreich privat seinen wehrhaften Freund Rolf Hochhuth besucht." Indirekt verriet er auch, wer die Studenten waren: Von seiner Website führte ein Link an die E-Mail-Adresse der Burschenschaft Olympia, einer starken, extrem rechten Vereinigung, die den Kontakt mit Neonazis nicht scheut und zu deren Alten Herren auch einige FPÖ-Politiker gehören.

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