Freitag, Dezember 02, 2005

taz 2.12.05 Die neuen Codes der jungen Nazis

Den Hitler-Gruß kennen alle. Das Hakenkreuz sowieso. Und wer sich mit einem grünen Militäranzug und einem schwarz-rot-weißen Reichskriegsemblem an der rechten Schulterseite in der Öffentlichkeit sehen lässt, dürfte ebenfalls nicht lange unbehelligt bleiben. Doch die Zeiten sind vorbei, in denen man Rechtsextremisten allein an der Glatze, der Bomberjacke und den Springerstiefeln mit weißen Schnürsenkeln erkennen konnte. Skinheads gelten in der rechten Szene inzwischen als old school und sind nur noch vereinzelt auf Aufmärschen in der tiefen Provinz zu sehen. Der moderne Neonazi gibt sich unauffällig, vielseitig, sportlich, vor allem aber chic - und wird von Gleichgesinnten dennoch als Angehöriger der rechten Szene erkannt. Tarnen und Täuschen - das Aufstellen neuer Codes hat sich in den vergangenen Monaten in der rechten Szene zum wahren Volkssport entwickelt. Je kniffliger, desto besser. Zum Leidwesen derer, die diese Codes nicht erkennen. So manch einen Mathelehrer hat es zur Weißglut getrieben, wenn er Zahlen an die Tafel schrieb und die halbe Klasse in grölendes Gelächter ausbrach. Ist die 88 auf dem T-Shirt bloß ein sportliches Design - oder eine politische Aussage? Kann der brave Junge im frisch gebügelten Karohemd in der ersten Reihe trotzdem ein Nazi sein? Und der Jugendliche mit Punkerfrisur hinter ihm etwa auch? Ein zweiter, fast noch gravierenderer Nebeneffekt: Auch unter zunächst rechtsextrem unbedarften Jugendlichen erfreut sich das Versteckspiel zunehmender Beliebtheit. Der Eintritt in die Szene ist dann nur noch ein kleiner Schritt. siehe auch: Schwarze Sonne, Thor Steinar. Das alte "Thor Steinar"-Logo ist eine Kombination aus der Tyr-Rune (Todesrune) und der Gibor-Rune (Wolfsangel)

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