Montag, Dezember 05, 2005

junge welt vom 03.12.2005 - Irrsinn mit Methode

Vor 100 Jahren erschien erstmals die antisemitische Hetzschrift »Die Protokolle der Weisen von Zion«. Die Wirkung der Fälschung, die den Mythos von einer jüdischen Weltverschwörung befördern sollte, hält bis in die Gegenwart an (Teil 1) (...) Als Fälschung gelten die sogenannten Protokolle der Weisen von Zion – diese millionenfach in vielen Sprachen verbreitete antisemitische Hetzschrift, welche die geheimen Weltherrschaftspläne der Juden zu beweisen vorgibt – eigentlich von ihrer ersten Veröffentlichung an. Der russische Geheimdienstmann Pjotr Iwanowitsch Ratschkowski von der zaristischen Ochrana ließ sie anfertigen in Paris kurz vor der Jahrhundertwende als Teil einer Intrige gegen den liberalen Finanzminister des Zaren Nikolaus II., Sergej Witte. Witte war Motor einer stärkeren Industrialisierung Rußlands. Eisenbahnbau, betrieben mit Krediten von französisch-jüdischen Banken und Ankoppelung des Rubels an den internationalen Goldstandard sollten Moskau zu einer Drehscheibe des Welthandels werden lassen. Politisch plädierte Witte für die Abschaffung der Ausnahmegesetze für Juden; seine offene »Judenfreundlichkeit« war ein Dorn im Auge orthodoxer Christen und vieler Landbesitzer, die behaupteten, durch Wittes Geldreform ihre Höfe verloren zu haben. Die Protokolle zielten darauf ab, Wittes Politik beim Zaren zu diskreditieren, als Teil der jüdischen Weltverschwörung darzustellen, und damit die russischen Juden insgesamt, zirka fünf Millionen, die immer wieder Opfer von Pogromen waren, mitzutreffen. Bekanntlich wurden Juden auch für die erste russische Revolution von 1905 verantwortlich gemacht. siehe aich: Lebendige Lügen. Die Wirkung der Fälschung, die den Mythos von einer jüdischen Weltverschwörung befördern sollte, hält bis in die Gegenwart an (Teil 2 und Schluß)

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