Montag, Juli 11, 2005
Marignane/Südfrankreich: Bürgermeister weiht Denkmal für tote Rechtsterroristen ein
Daniel Simonpieri ist seit 1995 Bürgermeister von Marignane, der Trabantenstadt der südfranzösischen Metropole Marseille, auf deren Gebiet u.a. der Flughafen von Marseille und das Luftfahrt- und Rüstungsunternehmen Eurocopter angesiedelt sind. Von 1974 bis 1999 gehörte Simonpieri dem rechtsextremen Front National (FN) unter Jean-Marie Le Pen an. Nach dessen Spaltung aufgrund des Machtkampfs zwischen Le Pen und seinem ehemaligen Chefideologen Bruno Mégret verließ Simonpieri die Partei zusammen mit der Mégret-Fraktion. (...) Die Aufschrift des umstrittenen Denkmals lautet: "Im Gedenken an die 113 Kämpfer und die Erschossenen, die fielen, damit L'Algérie française (das französische Algerien) lebe." Die Rede ist unzweifelhaft von den zu Tode gekommenen Aktivisten der rechtsterroristischen OAS (Organisation Armée Secrète, "Organisation geheime Armee" oder auch "Bewaffnete Geheimorganisation"). Die OAS bombte und mordete 1961/62 gegen den französischen Rückzug aus Algerien, während der dort seit November 1954 geführte Kolonialkrieg seinem Ende entgegen ging. Damals hatte Frankreichs Präsident Charles de Gaulle aus realpolitischer Erkenntnis heraus, und um die Rohstoffinteressen französischer Konzerne in Algerien zu wahren (indem man die Interessen der Siedler und Kolonialfanatiker opferte, sollte die französische Wirtschaft in Algerien präsent bleiben können) schließlich doch noch die algerische Unabhängigkeit akzeptiert. Während die OAS unter der kolonialen Siedlerbevölkerung im französischen Algerien ein bedeutendes Rekrutierungspotenzial vorfand, wurde sie in der französischen "Metropole" vor allem durch dezidierte Aktivisten der extremen Rechten unterstützt. In Algerien ist die OAS u.a. für Bombenanschläge und Mörserbeschuss auf arabische Märkte und andere Menschenansammlungen, aber auch für gezielte Morde an französischen "Verrätern" (die die Entkolonialisierung akzeptierten) verantwortlich.
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